KI ist mehr als nur ChatGPT
Wie Studierende KI in Studium und Alltag verwenden
Kontext
Der Tag der Lehre ist ein jährlich stattfindendes Zusammentreffen der Professorinnen und Professoren der Hochschule Offenburg. Studierende können diesem beiwohnen, um die Lehre konzeptionell mitzugestalten. In diesem Jahr war ich als Vertreter meines Studiengangs “Unternehmens- und IT-Sicherheit” mit diesem Vortrag Teil der Veranstaltung.
Der Vortrag wurde wenig später erneut im KI-Ideenzirkel Ortenau präsentiert.
Inhalt des Vortrags
Zum Zeitpunkt dieses Vortrags ist KI immer beliebter geworden. Die Professorinnen und Professoren der Hochschule Offenburg fürchteten, dass die Lehre darunter leiden könnte. Auch Gleichberechtigung zu Studierenden, die sich ein KI-Abo nicht leisten können, war Teil der Diskussion.
In diesem Vortrag habe ich meine Mitstudierenden im Rahmen einer Umfrage anonym befragt, welche KI-Systeme sie zu welchem Zweck einsetzen. Dies sollte den Lehrenden der Hochschule zeigen, dass KI mehr als nur ChatGPT und “ich schicke mal kurz meine Mathe-Klausur in den Chat und lasse sie lösen” ist. Folgende allgemeine Erkenntnisse wurden gewonnen:
- 60% aller Teilnehmer*innen haben nach KIs gesucht, die, anders als ChatGPT, auf bestimmte Anwendungen ausgerichtet sind
- Alle, die KI für Hausarbeiten oder Codegenerierung verwendet haben, gaben an, dass sie generierte Inhalte immer händisch überprüft haben
- Studierende gehen nie davon aus, dass KI-Antworten vollständig korrekt sind – es wird teilweise von “grober Fahrlässigkeit” bei Antworten ausgegangen
- KI-Halluzinationen, also die Generierung von offensichtlich falschen Aussagen, wurden von 70% der Teilnehmenden als solche erkannt
- Alle Teilnehmenden definieren Prompting als einen notwendigen Skill in der heutigen Zeit
- Ungefähr die Hälfte der Teilnehmenden haben starke Datenschutzbedenken und beschäftigen sich privat mit lokal betriebenen KI-Systemen
- 85% der Teilnehmer*innen sind der Meinung, dass Studierende selbst entscheiden können sollten, ob KI eingesetzt werden darf
- 15% hingegen befürchten einen geschmälerten Lerneffekt
- Einstimmung: Die Möglichkeiten von KI in einer Hochschuleinrichtung MÜSSEN behandelt werden – ein strenges Verbot wird einstimmig abgelehnt
Die Teilnehmenden nannten folgende Anwendungsgebiete; aufsteigend nach Häufigkeit:
- Zusammenfassung/Strukturierung wissenschaftlicher Dokumente
- Schreiben/Umformulieren von E-Mails
- Ausführung repetitiver Aufgaben beim Programmieren
- Automatisierte Erstellung von Karteikarten
- Probeklausur-Erstellung
- Schreiben/Umformulieren von Hausarbeiten
Ein Student hat ein interessantes Beispiel zum Einsatz von KI im wissenschaftlichen Kontext gemacht, das ich im Vortrag auch als Schlusswort genutzt habe:
Man kann sich das Arbeiten mit ChatGPT zum Schreiben einer Hausarbeit folgendermaßen vorstellen: Man sitzt an einem Tisch mit 10 Leuten und verteilt Recherchearbeit an diese. Nach 2 Tagen kommen alle wieder zusammen und stellen ihre Ergebnisse vor. Manche davon haben ihren Job gut gemacht, andere nicht. Als Projektleiter muss man nun einen Konsens finden. Ohne eigenes Wissen und Kompetenz geht das nicht.
Ersetze in dem Beispiel die 10 Leute und die 2 Tage durch ChatGPT und 2 Stunden und man hat einen Begriff für die Arbeitsweise und die Verantwortung, die man bei der Arbeit damit hat. Unreflektiertes Arbeiten ist auch ohne KI gefährlich. Man darf sich nicht blenden lassen und muss kritisch bleiben, aber die Chancen sind enorm.
Dieser Vortrag stellt klar dar, dass sich Studierende trotz der großen Gefahren durch KI kritisch auseinandersetzen und sich der Gefahren durchaus bewusst sind.